Informieren wir uns weiter zu Tode?

Aug 21, 2018

Informieren wir uns weiter zu Tode?

Wir leben in einer Zeit von zu vielen Informationen und zu wenigen Zusammenhängen.
Zu viel Lärm und zu wenig Einblick. Nicht erst seit der Geburt von Internet, Smartphone & Co., seither aber exponentiell beschleunigt. Kein Ende in Sicht. Im Gegenteil: Im großen Konzert um ein Stück Aufmerksamkeit umfasst der Informationsstrom immer mehr Quellen und Devices, die alle ihren Aufmerksamkeitstribut fordern.

Viele mischen in diesem Spiel munter mit. Niemand fühlt sich mehr verantwortlich. Es wird unaufhörlich verbreitet, gepostet, rausgehauen und wiedergekäut, was das Zeug hält. So läuft es seit Jahren – und läuft und läuft und läuft. Es fällt immer schwerer, darin noch Bedeutungen oder Sinnvolles zu erkennen. Manche macht das informationelle Dauerbombardement rappelig, unruhig oder sogar richtig krank.
Nun ließe sich die Informationsflut im privaten Alltag ja noch vergleichsweise einfach ignorieren.
Alles mal auf „Off“ schalten, einfach der Aufmerksamkeit entziehen. Fernsehen, Smartphone, Radio, PC und weitere „intelligente“ Gerätschaften. Manchem fällt das mittlerweile so schwer wie ein Drogenentzug… Doch der tut gut. Verringert rastlose Unruhe und die dem Leben gestohlene Zeit. Hilft, sich nicht im großen Beschallungsorchester zu verlieren. Stärkt die Pflege signifikanter Beziehungen zu Familie und Freunden. Stärkt darin, wieder nach Sinn, Bedeutung, Zusammenhängen und im besten Falle nach Relevanz für das eigene Leben zu suchen und diese zu finden.
Probieren Sie es häufiger mal aus! Nach kurzer Entwöhnung werden Sie etwas Erfrischendes und mehr Klarheit verspüren.

Doch wie sieht es am Arbeitsplatz aus?
Information wird als der Schlüssel für den Erfolg von Unternehmen angesehen, und viele Menschen haben auch hier mit großen Mengen davon zu tun. Keiner kann es sich leisten, Informationen am Arbeitsplatz einfach zu ignorieren, zumindest nicht offiziell. Und es ist auch richtig, dass Unternehmen auf relevante Informationen und Informationsflüsse angewiesen sind.
Doch auch hier fließen die Informationsströme nicht selten ohne jedes Maß und vor allem ohne Navigations-, Selektions- und Einordnungssysteme.
Schauen Sie sich einfach mal ganz bewusst Ihren E-Mail-Eingang der letzten Wochen an. Oder die Posts im Intranet. Nicht überraschend wäre, wenn sich auch hier Banales, für Sie Belangloses und eigentlich Wichtiges völlig durchmischen. Dass viel Bruchstückhaftes kursiert. Handlungsrelevanz oft nicht erkennbar wird, eher Mangelware ist (falls nicht: Herzlichen Glückwunsch!). Hauptsache, jeder weiß über alles Bescheid. Ein großer Mythos: Denn wir können nicht alles über alles wissen.
Sollten das auch erst gar nicht erst versuchen. Weniger ist daher oft Mehr.

Nicht Informationen sind der Schlüssel zum Erfolg, sondern die richtigen Informationen an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit. Die übliche große Gießkanne führt eher dazu, dass die Spreu vom Weizen nicht mehr zu trennen ist – und zugleich bestehende Informationslücken nicht mehr erkannt werden. Denn paradoxerweise fehlen trotz immer mehr Informationen im entscheidenden Moment genau die Informationen, die eigentlich relevant und wichtig wären!

Wie können Lösungen aussehen?
Perfekte Antworten gibt es hier nicht. Fest steht: Im organisationalen Alltag stecken wir in der Bewältigung wachsender Informationsmassen oft immer noch in den Kinderschuhen. Nach einer Zeit, in der es primär darum ging, immer mehr Informationen zu sammeln, verfügbar zu machen und zu verbreiten, Zugänge und Transparenz zu schaffen, stehen jetzt andere Formen informationeller Kultivierung an:
Etwa durch Entwicklung intelligenter – d.h. anforderungs- und zielgruppenspezifischer Informations-, Navigations- und Filter-Systeme. Durch Entwicklung von deutlich mehr Informationsdisziplin und Informationshygiene. Durch Neubestimmung von Bring-und-Hol-Verhältnissen, bzw. von Eigenverantwortung, Selbststeuerung und zentraler Regulierung. In Form besserer Aufbereitung von Informationen. Im Einüben sinnvoller Verknüpfung von Informationen in konkrete Zusammenhänge und Handlungsrelevanzen. Durch Schulung des Erkennens entscheidungsrelevanter Lücken im Informationsdickicht. Durch Kultivieren der Nutzung der zu unterschiedlichen Informationsinhalten jeweils passenden Informationskanäle. Und nicht zuletzt auch in der stärkeren Förderung organisationaler „Stillezeiten“. Denn nur dann ist auch Zeit zum Denken, zum Verarbeiten und Verdauen von Information, zum Schlüsse ziehen, zum kreativ sein – und vor allem auch Zeit zum gezielten und konkreten Handeln.
Das macht Erfolg und Zukunft aus. Nicht das bloße Vorhandensein oder das suchthafte Immer Mehr an Information, das Wesentlichem oft nur die nötige Aufmerksamkeit entzieht. Kluge Köpfe können die Welt bewegen. Nicht post-humane reine Informationsfresser.
Zudem führt eine bessere informationelle Kultivierung auf der Mitarbeiterseite zu weniger Stress, mehr Arbeitsfreude und größerer Wirksamkeit. Nach wie vor stehen wir hier vor sehr wichtigen Zukunftsaufgaben.

Überlegen Sie mal: Fallen Ihnen weitere Ansätze ein, um Informationen stärker (wieder) an Bedeutsamkeit und Wichtigkeit auszurichten, informationelles Rauschen und ständige Ablenkungen zugleich deutlich zu reduzieren? Was praktizieren Sie als Lösungen bereits in Ihrem Unternehmen? Was kann technisch gelöst werden, was nur auf personaler und unternehmenskultureller Ebene? Was sollte zusätzlich umgesetzt werden? Was lohnt, zumindest mal ausprobiert zu werden?

Wir wünschen Ihnen dabei gutes Gelingen!

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